Andacht

500 Jahre Aschermittwochsbrief: „Ich komme gen Wittenberg in gar viel einem höheren Schutz denn des Kurfürsten“
Kirchgemeinde erinnert mit Theaterabend und Gottesdienst

Martin Luther
Kurfürst Friedrich der Weise

 

Am 5. März 1522 – damals der Aschermittwoch – schickte Martin Luther von Borna aus einen Brief an seinen Kurfürsten Friedrich den Weisen ab, der als „Aschermittwochsbrief“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte.
Die Umstände seines Aufenthalts in Borna waren durchaus dramatisch. Luther galt nach seinem Auftreten auf dem Wormser Reichstag 1521 immer noch als vogelfrei und als „Staatsfeind Nummer 1“. Kurfürst Friedrich der Weise hielt die Hand über ihn: als „Junker Jörg“ versteckte sich Luther in den Jahren 1521 und 1522 auf der Wartburg in Eisenach. Da unterdessen aber die radikalen Kräfte der Reformation Wittenberg die Oberhand zu gewinnen drohten, entschloss er sich, dorthin zurückzukehren. Tatsächlich begann er ab dem Sonntag Invokavit 1522 – das ist der Sonntag nach Aschermittwoch, damals der 9. März – als Martin Luther öffentlich in Wittenberg zu predigen. Die Predigten setzte er bis zum 16. März fort. Sie sind als „Invokavitpredigten“ weltberühmt und ein entscheidender Wendepunkt der frühen Reformation, da maßgeblich durch Luthers Predigten die gemäßigten Kräfte wieder die Oberhand gewannen, die auf eine maßvolle und geordnete Änderung des Kirchenwesens drangen.
Der Weg von der Wartburg nach Wittenberg – und damit auch der Weg Luthers von der Inkognito-Existenz zur erneuten öffentlichen Wirksamkeit – führte ihn über Borna. Hier übernachtete er vom 4. auf den 5. März 1522 auf sicherem Territorium beim Geleitsmann Michael von der Straßen. In Borna schrieb er einen Brief an den Kurfürsten, in dem er seine Entscheidung mitteilte, nicht länger versteckt auf der Wartburg zu bleiben. Luther verwies auf den höheren Schutz durch Gott, in dem er sich sah. Damit entließ er den Kurfürst sozusagen aus seiner Verantwortung für das Leben Luthers. Der „Aschermittwochsbrief“ ist bis heute ein eindrückliches Zeugnis der Glaubensstärke Luthers.
Genau 500 Jahre ist das her. Wir wollen den Jahrestag feiern und laden dazu zu zwei Veranstaltungen jeweils in die Stadtkirche St. Marien ein:

Sonnabend, 5. März 2022, 19.00 Uhr (!):

Theaterszene der Gruppe „Neue Wasser e.V.“

Sonntag, 6. März 2022 (Sonntag Invokavit), 10.00 Uhr:

Gottesdienst mit Landesbischof Tobias Bilz