Andacht

Monatsspruch Juni
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Apostelgeschichte Kapitel 5 Vers 29

Titelbild: Schlussstein am Hintereingang der Suptur

 

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

das Titelbild ist ein echtes Bild zum Schauen und Nachdenken. Nehmen Sie sich ruhig einmal etwas Zeit, um den abgebildeten Stein zu betrachten. Er ist ein Schlussstein über einem gewölbten Türgewände. Es gibt vieles zu entdecken. Die Jahreszahlen weisen in eine ferne Vergangenheit. 1553: ob da der Stein schon angefertigt und eingebaut wurde? Oder ist er doch eher von 1783, als das Gebäude, zu dem er gehört, offensichtlich saniert und umgebaut wurde („renovat“ – lateinisch für „erneuert“)? Weit zurück liegt es in jedem Fall. Das Leben, die Zeit hat sich eingeschrieben in unseren Stein. Da ist ein Stück abgeplatzt, dort sieht es fast so aus, als sei der Stein gerissen und wieder zusammengesetzt worden. Die Oberfläche ist nachgedunkelt und hat eine Patina angesetzt. Und dass der Stein mittlerweile im modernen Zeitalter angekommen ist, zeigt die elektrische Anlage über ihm. Die Zeit hat sich eingeschrieben, und doch ist er derselbe Stein geblieben.

So wird der Stein ein Sinnbild für das, was auch wir Menschen in unserem Leben erfahren. Wir bleiben all die Zeit dieselben und auch als unverwechselbare Menschen erkennbar, doch die Zeit hinterlässt Spuren. Manche sind äußerlich ablesbar, andere zeichnen sich in unsere Seele und unser Herz ein. Manchmal mögen wir damit hadern, ändern können wir es nicht.

Das Bibelwort für den Monat Juli weitet da unseren Blick. Denn es ist nicht nur die Zeit, die sich in unser Leben einschreibt, sondern auch Gott. In einer Predigt in Athen sagt der Apostel Paulus: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. (Apg 17,27+28) Wie das Bild vom Stein ist das ein Wort, das wir ruhig etwas länger betrachten und über das wir nachdenken können. Gott webt sich in unser Leben ein. Indem wir leben, sind wir immer schon in Kontakt mit Gott. Er hinterlässt Spuren.

Die Spuren der Zeit werden den Stein irgendwann zerbrechen lassen. Die Spuren, die Gott ín unser Leben webt, werden uns einmal neues Leben eröffnen. Leben, das nicht vergeht.

Ihr Superintendent Jochen Kinder

PS: Hätten Sie gewusst, wo der Stein zu finden ist? Er gehört zum Portal am Hintereingang der Superintendentur und stammt demnach aus dem Vorgängerbau (das jetzige Gebäude wurde erst 1821 errichtet).