Andacht Gemeindebrief
März – Mai 2026
Da weinte Jesus.
Johannesevangelium Kapitel 11 Vers 35
Johannesevangelium Kapitel 11 Vers 35
Wir glauben und sind trotzdem traurig, wenn ein geliebter Mensch geht. Jesus weint mit uns. Lazarus ist tot. Die Nachricht macht die Runde. Da haben sie gehofft und gebangt, allen voran Maria und Martha, seine Schwestern. Und doch ist er gestorben. Eine schwere Krankheit hat ihn dahingestreckt. #%Jemand ist gestorben, in der Familie, im Freundeskreis. Und eine Schwere legt sich auf die Angehörigen. Wenn ein geliebter Mensch geht, ist das oft schwer zu ertragen. Wir sagen dann vielleicht Sätze wie: Jetzt hat er´s geschafft. Jetzt ist er oder sie an einem besseren Ort. Worte, die trösten sollen. Zu Trauerfeiern schmücken wir oft die Kirche und Gräber mit einem Kranz. Eine Tradition, die sich vom Siegeskranz der Antike ableitet. Die ersten Christen verstanden den Tod als Zieleinlauf zum Ewigen Leben. Und das ist eigentlich ein Grund zur Freude. Er oder sie hat es geschafft. Da ist keine Welt, kein Hindernis mehr, das den Verstorbenen von Gott trennt. Die Trauerfeier: in der christlichen Auferstehungshoffnung eigentlich ein Freudenfest. Und doch bleibt die Schwere, die Traurigkeit und das Vermissen. Bei aller christlichen Hoffnung bleibt uns das Weinen um unsere Toten nicht erspart. Jesus sieht Martha und Maria, wie sie um ihren Bruder trauern. Und gleichzeitig hört er ihre Worte, aus denen ihr tiefer Glaube spricht: Ja, Herr, ich glaube fest: Du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll!, so sagt es Martha. Jesus sieht die beiden Schwestern, hin – und hergerissen zwischen der tiefen Trauer, die sie um ihren Bruder empfinden und der Hoffnung, die Jesus für sie ist. Und gleichzeitig ist Jesus in diesem Moment vielleicht einfach nur der Mensch Jesus. Denn er tut etwas zutiefst menschliches: Er weint. Da weinte Jesus. Als Freund, als Mensch, als Angehöriger. Mit den Menschen, die er liebt. Obwohl er weiß, dass Lazarus nicht tot bleibt. Auch wir weinen heute, wenn wir einen lieben Menschen gehen lassen müssen. Aber wir sind nicht allein. Jesus teilt unseren Schmerz und unsere Tränen, auch heute noch. Kennt er doch jeden Einzelnen, der aus unserer Mitte gehen muss. Darin liegt für mich ein Trost mit meiner Trauer nie allein zu sein und gleichzeitig die unbedingte Erlaubnis (wenn es denn einer solchen überhaupt bedarf) meine Trauer zuzulassen. Denn sie steht der Hoffnung nicht im Weg. Beides gehört wohl dazu. Das Trauern und das hoffen, das Abschied nehmen im Hier und Jetzt und das Wiedersehen in der kommenden Welt.
Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Maria Rudolph