Kirche Kieritzsch

Fast hätte sie in der Emmauskirche in Borna auf der Tafel der zerstörten Kirchen gestanden. Gott sei Dank, es kam anders. Nun steht sie noch auf einer kleinen Anhöhe in der Mitte des Dorfes. Die Kirche zu Kieritzsch.

Entsprechender Widerstand gegen die Überbaggerung des Dorfes am Ende des 20. Jahrhunderts hat sie erhalten. Wobei eingeräumt werden muss, dass die historische Bedeutung des Ortes mit dieser Kirche schon in früherer Zeit sehr unterschiedliche und mitunter recht wenig Beachtung fand. Aber für unsere Region in Zusammenhang mit dem Gut Zöllsdorf, ist bei allen Wirrnissen und Zerstörungen ein Stück Vergangenheit der Familiengeschichte Luthers erhalten geblieben. So ist zwar nicht belegt, aber auch nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der Kirche zu Kieritzsch um ein historisches Kleinod handelt, da sie die Taufkirche der Katharina von Bora sein kann. Ihr Bruder Hans von Bora betrieb etliche Jahre Zöllsdorf bis zum Verkauf. Martin Luther erwarb das Gut später zurück und richtete es als zukünftigen Witwensitz seiner „Käthe“ ein. Betritt man die Kirche, so erhält man ein feines Gespür für die reformatorische Zeit, da durch Umbau des Saales 1697 – 1702 der im Kern wohl romanische Bau jener Zeit angepasst wurde. So ist ein freistehender Kanzelaltar zu sehen, die von Samuel Reichart aus Borna gestaltete Patronatsloge und vor allem die ovalen Reliefbildnisse von Martin und Katharina Luther, die aus dem 16. Jahrhundert und aus dem ehemaligen Gut Markzöllsdorf stammen. Neben dem schon erwähnten Umbau im 17. bzw. 18. Jahrhundert gab es noch einige Umbauten und Neuausstattungen am Turm und am gesamten Komplex: so 1907/08 eine Restaurierung unter Karl Poser und Reparaturen und Restaurierungen 1994/95. In die jüngste Vergangenheit fällt u. a. die Überholung der auf der Empore befindlichen Orgel der Firma Schlag und Söhne. Insgesamt sind die Farbgestaltung und Verzierungen im barockem Stil ge- und erhalten. Neben dem großen Kirchsaal bietet die ehemalige Sakristei als eine kleine Winterkirche Raum für Gottesdienste im kleinen Kreis und Gemeindeveranstaltungen. Ja, besuchen Sie die Kirche! Sie finden großen und auch kleinen Raum für Gebet und Besinnung und dies zugleich mit einem kräftigen Hauch lutherischer Geschichtsträchtigkeit.